"Wie ist das Wasser? Herrlich!"
Inzwischen ist es ein echter Hype: Winterschwimmen und Eisbaden sind in aller Munde. Die einen schüttelt es bei der bloßen Vorstellung, die anderen schwören drauf. Regelmäßiges Eintauchen ins kalte Wasser soll das Immunsystem stärken, Schmerzen bekämpfen und sogar zu einem längeren Leben verhelfen. Doch wenn man die Eisbadenden einmal nach ihrer persönlichen Motivation fragt, sind es nicht vorrangig die gesundheitlichen Aspekte, die den Ausschlag geben. Auch am Liblarer See gibt es eine unverwüstliche Gruppe von Winterschwimmenden, die mehrmals pro Woche ins kalte Wasser steigen und dabei ihre ganz eigenen magischen Momente erleben. So auch in diesem Winter, der allmählich zu Ende geht.
Innere Ruhe und Lebendigkeit
„Die stille Konzentration in dem Moment, in dem ich ins Wasser gleite, ist mein Reset der Woche; was vorher wichtig war oder Sorgen machte, bekommt nach dem Eisbaden eine andere Bedeutung“, beschreibt Sabine ihre Beweggründe für das in den Augen der meisten Menschen ungewöhnliche Hobby. Jeden Sonntagmorgen steht sie im Winter mit Wecker auf, um pünktlich um neun Uhr am See zu sein, wo sie mit rund zehn bis 15 weiteren „Liblarer Seegurken“ eine feste Verabredung im Wasser hat. Im Eiswasser zähle nur der Moment, der Atem und „die innere Ruhe, die ich mitnehme in die neue Woche“. Ganz ähnlich sieht es Anja, für die das Winterschwimmen ein „wirkungsvolles Brainbreak aus den Alltagsgedanken sowie Inspiration und Glücksquelle“ ist. Annette wiederum macht beim Eisbaden jedes Mal eine besondere, ja geradezu existenzielle Erfahrung: „Zuerst nimmt es mir den Atem, aber mit jedem Ein- und Ausatmen stellt sich dieses herrlich lebendige Gefühl ein, ganz im Hier und Jetzt zu sein.“ Und auch Marion fühlt sich „mit neuem Leben erfüllt“, wenn sie „bewusst atmend“ ins Wasser eintaucht. „Die Kühle auf der Haut, das Prickeln am ganzen Körper, das ist ein besonderes Gefühl. In mir kommt Ruhe auf und gleichzeitig fühle ich mich lebendig, und das noch lange nach dem Baden.“
Gemeinsam schwimmt man weniger allein
Doch die magischen Momente und Glücksgefühle speisen sich auch durch das Gruppenerlebnis und die schöne Natur. „Das Winterschwimmen verbindet Menschen auf besondere Weise“, sagt Anja. Klaus findet, dass es sich gemeinsam nach dem Baden besser zittern und Tee trinken lässt, und Annette ergänzt: „Die ‚Seegurken‘, ihr Mottospruch ‚Wie ist das Wasser? Herrlich!‘ und die schöne winterliche Atmosphäre am See gehören untrennbar zusammen.“
Tatsächlich hat der See im Winter eine eigene Schönheit. Mal glasklar in der kalten Luft, mal undurchdringlich, wenn der Nebel kommt, unschlagbar, wenn die Wintersonne ein Glitzern auf die säuselnde Oberfläche zaubert und vor allem dann, wenn sich allmählich eine Eisschicht über das Wasser zieht. Das ist für die Seegurken die Krönung, gewissermaßen die Masterclass des Winterbadens: das Eis und das Einswerden mit dem See, wenn er sich im Wortsinne verschließt.
Gut gelaunt und neugierig: die Anfänge
Doch wie hat das alles eigentlich angefangen? Daran erinnert sich Klaus: „Es begann mit einer einfachen Frage während der Pandemie im Herbst 2021: Wie lange kann ich wohl im See schwimmen, bevor es mir zu kalt wird?“ Während seines Selbstversuchs fiel ihm eine Frau auf, die wie er Spaß am kalten Nass und auch bei 14 Grad und schlechtem Wetter immer gute Laune hatte. Gemeinsam überlegten sie, ob sie es bis Nikolaus schaffen würden. Nach und nach gesellten sich weitere neugierige Badegäste zu ihnen und es bildete sich eine kleine Gruppe, die sich schließlich zu festen Zeiten gemeinsam in den immer kälter werdenden See wagte. „Wir stellten schnell fest, dass das Eintauchen ins Wasser gar nicht so schlimm war“, so Klaus. Doch das Zittern danach sei immer stärker geworden und schnell war klar, dass man bei so niedrigen Temperaturen nicht allzu lange ausharren und sich bei der Badezeit nach der Wassertemperatur richten sollte. Auch die stets gut gelaunte Schwimmerin Bärbel kann sich gut an die Anfänge erinnern. „Zuerst war es nur Neugier, wie lange es wohl gutgehen würde. Und dann kam der Herbst, der Winter, der Frühling, der Sommer.“ Es sei ein toller Versuch gewesen, der in der Beständigkeit fruchtete. „Es war, ist und bleibt wunderbar, einfach immer ins Wasser zu gehen.“
Übrigens: Schon damals lautete die Antwort auf die Frage, wie das Wasser sei „Herrlich!“ Und daran hat sich bis heute nichts geändert.
In den Herbst schwimmen
Es wird kälter
Sonnige Aussichten
Einfach schön hier
In die Sonne schwimmen
Endlich EISBADEN (ab 5 Grad)
Die Nikoläuse kommen
Nikolaus-Marsch
JA! Es ist toll!!
Still und starr ruht der See
Brrrrrr.....
Der Beweis: EIS!
Ice, Ice, Baby
Was geht?
Deine Spuren im Sand... äh, Eis
Den Sprung ins kalte Wasser wagen
Und noch einen
Falls es mal regnet...
...werden wir nicht nass
Das neue Jahr lockt neue Gesichter an den See
Happy New Year!
Oh, kalt! Wer hätte das gedacht?
Lasst mich durch, ich bin Eisschwimmer!
Letzter Uhrencheck vor Kälteschock
Alaaf!
