Beim SunSet-Schwimmen gibt es keine Bestzeiten, aber jede Menge Emotionen. Und einen Neustart.

107 Schwimmende starteten beim 4. Liblarer Sunset-Schwimmen am 5. September 2026

Von Silke Wiegand

Kurz vor dem SunSet-Schwimmen verlangen die Umstände ein wenig Flexibilität. Zwei „Superlative“ für meine Begrüßungsrede sind in sich zusammengefallen. Der älteste Teilnehmer hat kurzfristig abgesagt – und damit auch sein Sohn, der die weiteste Anreise (aus Berlin) gehabt hätte. Wie schade, ich hätte ihn gerne wiedergesehen. So aber muss ich schnell meine Rede umformulieren, nochmal die Liste der Teilnehmenden checken, und da trudeln auch schon die ersten Schwimmerinnen und Schwimmer am See ein. In diesem Jahr gibt’s für die Early Birds Kaffee und Keks – soll ja niemand sagen, dass man bei uns nicht gut verpflegt würde.

Soll ich oder soll ich nicht?

Wir begrüßen bekannte und neue Gesichter, beantworten Fragen, schreiben Nummern auf die Handrücken, händigen die diesjährige Badekappe aus (neongrün!), die Zeit fliegt. Ich drehe eine Runde durch die rund 100 Menschen, die sich gleich trotz deutlich gesunkener Temperatur und starkem Wind auf die Strecke begeben werden. Einige ziehen und zerren schon an ihren Neoprenanzügen, andere sind ganz still, konzentrieren sich auf das Wasser, fragen sich vielleicht, ob sie es heute wirklich wagen wollen.

Es geht zwar nicht um Zeiten, aber...

Ich treffe Jenny aus Siegburg, die zwar den Liblarer See von früher kennt, aber zum ersten Mal beim SunSet-Schwimmen ist. Fünf Kilometer will sie schwimmen, obwohl sie noch das Ultra-Schwimmen in Münster vom vergangenen Wochenende in den Armen hat und überhaupt habe sie erst 2019 mit dem Schwimmen angefangen. Unter zwei Stunden möchte sie es schaffen – „Jaja, ich weiß, dass es hier nicht um Zeiten geht, aber trotzdem.“

„Egal wie langsam du bist, du überrundest jeden, der auf der Couch sitzt.“

Anja ist schon zum dritten Mal dabei – sie ist eine „alte Bekannte“ am See, war auch schon bei anderen Veranstaltungen wie dem Neujahrsschwimmen dabei. Ihre Ambitionen bezüglich der Strecke sind bescheidener: einen Kilometer hat sie sich vorgenommen. „Das reicht doch“, sagt sie. Natürlich reicht das, denke ich, eintausend Meter bei den Wellen und nur noch 20 Grad Wassertemperatur, alle Achtung. Ich habe großen Respekt vor allen, die heute mitschwimmen.

Raphaela und Saskia kennen sich seit Studienzeiten, das ist schon 20 Jahre her. Irgendwann haben sie beschlossen, sich wieder regelmäßig zu treffen, und klar, was wäre besser geeignet als ein gemeinsames Schwimmevent. „Der Wind ist ein bisschen das Problem“, meint Saskia mit Blick auf die kleinen Schaumkronen auf dem kleinen See. Aber sie wollen es wagen, und wenn es nur ein Kilometer wird. „Das Tolle“, schwärmt Raphaela, „ist das gemischte Publikum, alle Leistungsstufen sind da, man hat die freie Entscheidung, wie viel man schwimmen möchte“. Saskia liebt die Stimmung hier. „Einfach schön, so lauschig“, findet sie. Da frischt der Wind auf, Saskia verzieht ein bisschen das Gesicht, hab ich zu viel versprochen, scheint darin geschrieben zu stehen. Aber „Hey“, meint sie, „egal, wie langsam du bist, du überrundest auf jeden Fall jeden, der auf der Couch sitzt“. True!

"Schwimmen ist wie Streicheln"

Und dann ist da Andrea. Anfang des Jahres mit einer Krebsdiagnose aus dem Leben und dem Schwimmen geworfen, sitzt sie jetzt hier, schaut aufs Wasser, hat keinen Zweifel – weder Wind noch Wellen noch 20 Grad werden sie abhalten, heute hier mitzuschwimmen. Eigentlich sind Wettkämpfe nicht ihr Ding, ihre Freundinnen haben sie überredet. Und jetzt ist sie pure Freude. Auf das Schwimmen. Auf das Leben. Genau ein Event hat sie sich für dieses Jahr vorgenommen, und es macht mich persönlich ein bisschen stolz, dass es unser SunSet-Schwimmen ist. „Schwimmen ist wie streicheln“, sagt sie, als ich sie später noch einmal treffe. Im Wasser zu sein, das sei, als wäre man gut aufgehoben, geborgen und beschützt. „Beim Schwimmen konnte ich nicht weit gucken. Ich war ganz bei mir.“ Der Körper mache endlich wieder, was er soll und kann. Ganz sicher sei sie, dass sie den Krebs losgeworden ist wie eine lästige Sportverletzung. „Das hier“, sagt sie und lächelt über die Tränen hinweg, „das hier ist mein Neustart“.

Impressionen

  • Haus der Wassersportfreund*innen

DANKESWORTE

Vielen Dank, Volker Hess und Thomas Mittelstädt für die tollen Fotos.

Danke, lieber Nachbarverein Segelverein SC Ville und ASB Wasserrettung  für eure Unterstützung.

Danke an unsere Mitglieder Laura Tegtmeier und Niels Maringer – Bereitschaftsärzt*innen an Land und auf dem Wasser.

Vielen Dank an unsere Sponsor*innen – den Energieversorger GVG, die Libertas Versicherungsmaklerei und die Kairos-Praxis Tegtmeier.

Und schließlich wieder einmal ein riesiges DANKE an die vielen Helferinnen und Helfer aus unserem Verein und aus dem Dunstkreis der Mitglieder – für die leckeren selbst gemachten Salate, die Unterstützung auf dem Wasser, am Ufer, am Grill, bei den Getränken und den vielen kleinen und großen Aufgaben.

„Schwimmen ist wie Streicheln.“